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Fristen

Verjährung am Wochenende: § 193 BGB gilt entsprechend

5. September 2026, aktualisiert 7. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit · Fristen24 Redaktion
Kurzantwort

§ 193 BGB gilt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs entsprechend für das Ende einer Verjährungsfrist. Der pauschale Ausschluss in der früheren Fassung war falsch.

Fällt das Ende einer Verjährungsfrist auf einen Samstag, Sonntag oder maßgeblichen Feiertag, ist der nächste Werktag zu berücksichtigen. Der Bundesgerichtshof wendet § 193 BGB entsprechend an. Entscheidend bleibt, welche Maßnahme die Verjährung wirksam hemmt und welche Voraussetzungen dafür gelten. Ein Fristenrechner kann das Datum erklären, aber nicht die rechtliche Wirkung Ihres nächsten Schritts feststellen.

Was der Bundesgerichtshof entschieden hat

§ 193 BGB betrifft seinem Wortlaut nach Tage oder Fristen für eine Willenserklärung oder Leistung. Daraus darf man nicht schließen, dass die Vorschrift bei Verjährung ausgeschlossen wäre. Der Bundesgerichtshof hat ihre entsprechende Anwendung ausdrücklich bestätigt: im Urteil vom 5. August 2014, XI ZR 172/13, Randnummer 10. Die Unterscheidung zwischen Handlungsfrist und bloßem Zeitraum reicht zur rechtlichen Einordnung deshalb nicht aus.

Im entschiedenen Fall fiel das rechnerische Ende auf Sonntag, den 6. Juni 2010. Der Kläger reichte seinen Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids am Montag, dem 7. Juni, bei Gericht ein. Das genügte für die erneute Hemmung. Der Mahnbescheid wurde am 14. Juni zugestellt. Weil die Zustellung demnächst erfolgte, wirkte sie nach § 167 ZPO auf den Eingang des Antrags zurück. Diese Voraussetzung gehört zur Erklärung des Ergebnisses.

Berichtigung vom 7. Oktober 2026

Eine frühere Fassung dieses Beitrags schloss die Werktagsregel bei Verjährung pauschal aus. Das war falsch. Der Beitrag, die Rechner und die Erläuterungen im Fristenatlas wurden anhand des amtlichen BGH-Volltexts berichtigt. Die ursprüngliche Adresse bleibt erhalten, damit bestehende Verweise zur Korrektur führen.

Die Entscheidung ist keine Zusage, dass jede am Montag versandte Nachricht einen Anspruch sichert. Im Fall ging es um einen gerichtlichen Mahnantrag und die rechtzeitige Wirkung seiner Zustellung. Eine gewöhnliche Zahlungsaufforderung an den Schuldner ist etwas anderes. Welche Maßnahme für Ihren Anspruch geeignet ist, sollten Sie rechtzeitig mit einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt klären.

Fristende, Hemmung und Neubeginn auseinanderhalten

Zuerst stehen Beginn und Dauer der Verjährung fest. Bei sachbezogenen Werkleistungen sind das regelmäßig zwei Jahre ab der Abnahme, bei Bauwerken fünf Jahre (§ 634a Abs. 1 Nr. 1 und 2 sowie Abs. 2 BGB). Für andere Ansprüche können andere Anknüpfungspunkte gelten. Eine Jahreszahl allein entscheidet daher nicht, welcher Rechner zu einem Vorgang passt.

  1. Beginn und Dauer bestimmen Die für den Anspruch einschlägige Vorschrift prüfen und das Ausgangsdatum dokumentieren.
  2. Hemmung und Neubeginn prüfen Zeiträume und Ereignisse mit ihren Nachweisen berücksichtigen. Ihre rechtliche Einordnung bleibt eine Einzelfallfrage.
  3. Werktagsregel anwenden Das endgültige rechnerische Ende auf Samstag, Sonntag und die maßgeblichen Feiertage prüfen.
Vom Ausgangsdatum zum wirksamen Fristende

Hemmung und Neubeginn sind unterschiedliche Mechanismen. Während der Hemmung wird der betreffende Zeitraum nicht in die Verjährungsfrist eingerechnet (§ 209 BGB). Ein Anerkenntnis kann die Verjährung neu beginnen lassen (§ 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB). Ob Gespräche Verhandlungen im rechtlichen Sinn sind oder eine Nachbesserung ein Anerkenntnis enthält, lässt sich nicht allein aus einem Datum ablesen.

Die Reihenfolge ist auch bei der Rechnung wichtig. Wird ein rechnerisches Ende am Samstag durch eine Hemmung um einen Tag verändert, ergibt sich zunächst Sonntag und anschließend Montag. Wer zuerst Samstag auf Montag verschiebt und danach einen Tag addiert, landet fälschlich bei Dienstag. Gleichzeitig kann eine Maßnahme am durch § 193 BGB berücksichtigten Montag noch rechtzeitig sein. Sie darf nicht allein wegen des vorherigen Sonntags als verspätet verworfen werden.

Ein Beispiel für den Werkvertrag

Angenommen, eine sachbezogene Werkleistung wurde am 10. Oktober 2024 abgenommen und es gilt die zweijährige Frist nach § 634a Abs. 1 Nr. 1 BGB. Ohne Hemmung oder Neubeginn liegt das rechnerische Ende am 10. Oktober 2026. Das ist ein Samstag. Unter Berücksichtigung von § 193 BGB endet die Frist mit Ablauf des folgenden Montags, des 12. Oktober 2026. Der Rechner zeigt das Rohdatum und das verschobene Datum, damit Sie den Weg nachvollziehen können.

SchrittErgebnis im Beispiel
Abnahme10.10.2024
Rechnerisches Ende nach zwei Jahren10.10.2026, Samstag
Nächster Werktag12.10.2026, Montag
Nicht durch das Beispiel geklärtHemmung, Neubeginn, Arglist, abweichende Vertragsregeln und die geeignete Rechtsverfolgung

Sie können das Beispiel im Rechner für Werkvertragsverjährung nachvollziehen. Er ersetzt weder die Prüfung, ob ein Werk ein Bauwerk ist, noch die Beurteilung einer vereinbarten VOB/B. Auch ein arglistig verschwiegener Mangel kann eine andere Prüfung verlangen. Wer bereits Schriftwechsel oder ein gerichtliches Verfahren führt, braucht mehr als die Ausgangsrechnung ab der Abnahme.

Welche Grenzen Kalender und Atlas behalten

Der Fristenatlas zeigt bei einer allgemeinen Dauer weiterhin das rechnerische Ende und das Ergebnis mit Werktagsregel getrennt. Eine Eingabe wie „30 Tage“ verrät nicht, um welches Rechtsgebiet und welche Frist es geht. Die entsprechende Anwendung bei Verjährung macht § 193 BGB nicht zur allgemeinen Verlängerung sämtlicher Zeiträume. Insbesondere Aufbewahrungszeiträume werden dadurch nicht zu später endenden Handlungsfristen.

Hinzu kommt der Ort. § 193 BGB nennt die am Erklärungs- oder Leistungsort staatlich anerkannten allgemeinen Feiertage. Unsere Rechner berücksichtigen die bundesweit geltenden Feiertage. Ein nur örtlich geltender Feiertag kann im Einzelfall zusätzlich maßgeblich sein. Prüfen Sie deshalb die bundesweiten und örtlichen Feiertage und übernehmen Sie ein Ergebnis nicht ungeprüft für einen anderen Ort.

Für Ihren eigenen Vorgang sollten Ausgangsdatum, Rechtsgrundlage, Schriftwechsel und bereits eingeleitete Maßnahmen gemeinsam dokumentiert sein. Ein sichtbarer Rechenweg hilft, einen Zahlendreher zu erkennen. Er beantwortet aber nicht, ob eine Klage zulässig ist, ein Mahnantrag den Anspruch hinreichend bezeichnet oder die Voraussetzungen einer rückwirkenden Zustellung vorliegen. Planen Sie diese Prüfung mit zeitlichem Abstand zum Fristende ein.

Häufige Fragen

Endet eine Verjährungsfrist am Montag, wenn der letzte Tag ein Sonntag ist?

Grundsätzlich ist nach § 193 BGB entsprechend der nächste Werktag zu berücksichtigen. Ist auch Montag ein maßgeblicher Feiertag, kann dies ein späterer Tag sein. Der BGH bestätigt die entsprechende Anwendung im Urteil XI ZR 172/13, Randnummer 10.

Genügt eine Mahnung am nächsten Werktag?

Eine gewöhnliche Zahlungsaufforderung hemmt die Verjährung nicht automatisch. Der BGH-Fall betraf einen gerichtlichen Mahnantrag und dessen demnächst erfolgte Zustellung. Welche Maßnahme Ihren Anspruch sichert, verlangt eine eigene Prüfung.

Warum zeigt der Rechner zwei Daten?

Das Rohdatum zeigt die Rechnung aus Beginn und Dauer. Das wirksame Enddatum berücksichtigt anschließend Samstag, Sonntag und bundesweite Feiertage. Örtliche Feiertage sowie nicht eingegebene Hemmung oder Neubeginn sind zusätzlich zu prüfen.

Das Wichtigste in Kürze

Kurz zusammengefasst

§ 193 BGB gilt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs entsprechend für das Ende einer Verjährungsfrist. Der pauschale Ausschluss in der früheren Fassung war falsch.

Hemmung und Neubeginn verändern den Rechenweg. Die Werktagsverschiebung wird auf das endgültige rechnerische Fristende angewandt.

Eine gewöhnliche Mahnung sichert einen Anspruch nicht automatisch gegen Verjährung. Geeignete Maßnahmen und ihre Voraussetzungen sind gesondert zu prüfen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Maßgeblich ist der Gesetzestext in seiner jeweils geltenden Fassung; die genannten Werkzeuge dokumentieren Pflichten und Fristen, sie beraten nicht.

Die passenden Rechner

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