Der vierte Tag: wann ein Steuerbescheid als bekannt gegeben gilt
5. September 2026, aktualisiert 14. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit · Fristen24 RedaktionZwei Stufen: Der Bescheid gilt am vierten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben (§ 122 Abs. 2 Nr. 1 AO), im Ausland nach einem Monat (Nr. 2), elektronisch am vierten Tag nach der Absendung (Abs. 2a).
Versandtag, Bekanntgabe und Ende der Einspruchsfrist sind unterschiedliche Daten. Die Abgabenordnung rechnet in zwei Stufen. An beiden Enden kann die Werktagsregel eine Verschiebung bewirken; diese Seite zeigt den Rechenweg und seine Grenzen.
Stufe eins: die Bekanntgabe
Ein schriftlicher Verwaltungsakt, der im Inland durch die Post übermittelt wird, gilt am vierten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben (§ 122 Abs. 2 Nr. 1 AO). Bei elektronischer Übermittlung gilt dieselbe Frist ab der Absendung (§ 122 Abs. 2a AO). Wird der Verwaltungsakt ins Ausland übermittelt, gilt er einen Monat nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben (§ 122 Abs. 2 Nr. 2 AO). Ältere Übersichten nennen hier noch den dritten Tag; verbindlich ist der Wortlaut in seiner geltenden Fassung. Für bis einschließlich 31.12.2024 versandte Verwaltungsakte gelten noch drei Tage, auch bei einem Fristende im Januar. Das BMF-Schreiben vom 10.12.2024 stellt auf den Versand ab.
Maßgeblich ist die Aufgabe zur Post, nicht das Datum auf dem Bescheid. In der Praxis fallen beide meist zusammen, aber das ist eine Tatsache und keine Regel. Wer den Bescheid nachweislich später erhalten hat, für den zählt der spätere Tag; im Zweifel hat die Behörde den Zugang und seinen Zeitpunkt nachzuweisen. Die Bekanntgabefiktion ist eine gesetzliche Vermutung und kein Nachweis.
Inland, Ausland oder elektronisch: Daraus folgen drei verschiedene Bekanntgabetage. Ein Rechner, der „Inland“ annimmt, läge bei einem Auslandsbrief bis zu 27 Tage zu früh, ohne dass die Annahme irgendwo sichtbar wäre.
Deshalb zeigt der Fristenatlas auf jeder Bescheidseite alle drei Wege nebeneinander, jeden mit seiner Fundstelle, und legt keinen fest.
Stufe zwei: der Monat für den Einspruch
Der Einspruch ist innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Verwaltungsakts einzulegen (§ 355 Abs. 1 Satz 1 AO). Gerechnet wird nach den allgemeinen Regeln: Der Tag der Bekanntgabe zählt nicht mit (§ 187 Abs. 1 BGB), und die Frist endet an dem Tag des Folgemonats, der dem Bekanntgabetag durch seine Zahl entspricht (§ 188 Abs. 2 BGB).
Fällt dieses Fristende auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, endet die Frist erst mit Ablauf des nächsten Werktags (§ 108 Abs. 3 AO). Diese Verschiebung ist unstreitig: Der Einspruch ist eine Erklärung, die abzugeben ist, also eine Handlungsfrist.
Ein Beispiel: Aufgabe zur Post am 12. März, Übermittlung im Inland. Bekanntgabe am 16. März, Fristbeginn am 17. März, Fristende am 16. April. Der 16. April 2026 ist ein Donnerstag, es wird nichts verschoben. Fiele er auf einen Sonntag, wäre der Montag der letzte Tag.
Wochenenden an beiden Enden berücksichtigen
Der amtliche AEAO zu § 108 Nr. 2 erstreckt § 108 Abs. 3 AO ausdrücklich auch auf die Viertage- und Monatsregeln zur Bekanntgabe. Wochenenden innerhalb dieser Fristen zählen mit; fällt ihr letzter Tag auf Samstag, Sonntag oder einen gesetzlichen Feiertag, wird auf den nächsten Werktag verschoben.
Beispiel Inland: Aufgabe zur Post am 04.08.2026, vierter Tag am Samstag, 08.08.2026. Bekanntgabe unter bundesweiten Feiertagsannahmen am 10.08.2026, Einspruchsfrist bis 10.09.2026. Bei Auslandsübermittlung am 31.01.2026 ergibt der Monat zunächst den Samstag, 28.02.2026, dann Bekanntgabe am 02.03. und Einspruch bis 02.04.2026.
Regionale und örtliche Feiertage sowie der dafür maßgebliche Ort sind im Rechner nicht erhoben. Sie können beide Termine weiter verschieben. Prüfen Sie außerdem einen späteren oder fehlenden tatsächlichen Zugang. Förmliche Zustellung und Portalabruf nach § 122a AO sind eigene Verfahren, die dieses Werkzeug nicht berechnet.
Beide Stufen stehen für jeden Tag schon durchgerechnet da, mit allen drei Übermittlungswegen: Einspruchsfrist gegen einen Steuerbescheid, Tag für Tag.
Häufige Fragen
Zählt das Datum auf dem Steuerbescheid?
Maßgeblich ist die Aufgabe zur Post, nicht das Datum im Briefkopf. In der Praxis fallen beide meist zusammen, aber das ist eine Tatsache des Einzelfalls und keine Regel. Wer den Bescheid nachweislich später erhalten hat, für den zählt der spätere Tag.
Wie lange habe ich Zeit für den Einspruch?
Einen Monat nach Bekanntgabe (§ 355 Abs. 1 Satz 1 AO). Der Tag der Bekanntgabe zählt nicht mit (§ 187 Abs. 1 BGB), und die Frist endet an dem Tag des Folgemonats, der dem Bekanntgabetag durch seine Zahl entspricht (§ 188 Abs. 2 BGB).
Was gilt, wenn das Fristende auf ein Wochenende fällt?
Dann endet die Frist erst mit Ablauf des nächsten Werktags (§ 108 Abs. 3 AO). Der Einspruch ist eine Erklärung, die abzugeben ist, also eine Handlungsfrist. Hier greift die Verschiebung unstreitig.
Und wenn schon der vierte Tag ein Sonntag ist?
Dann wird die Bekanntgabefrist gemäß § 108 Abs. 3 AO auf den nächsten Werktag verschoben. Der AEAO zu § 108 Nr. 2 nennt diese Anwendung ausdrücklich. Vom verschobenen Bekanntgabetag läuft der Einspruchsmonat; dessen letzter Tag ist erneut auf Wochenende und Feiertage zu prüfen.
Das Wichtigste in Kürze
Zwei Stufen: Der Bescheid gilt am vierten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben (§ 122 Abs. 2 Nr. 1 AO), im Ausland nach einem Monat (Nr. 2), elektronisch am vierten Tag nach der Absendung (Abs. 2a).
Erst ab diesem Tag läuft der Monat für den Einspruch (§ 355 Abs. 1 Satz 1 AO). Wer vom Datum auf dem Bescheid aus einen Monat rechnet, überspringt die erste Stufe.
Die Werktagsregel gilt auch für die Bekanntgabefrist (AEAO zu § 108 Nr. 2). Erst danach wird der Einspruchsmonat gerechnet. Örtliche Feiertage und Zugangstatsachen bleiben gesondert zu prüfen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Maßgeblich ist der Gesetzestext in seiner jeweils geltenden Fassung; die genannten Werkzeuge dokumentieren Pflichten und Fristen, sie beraten nicht.